Milton… was? Ja, keine Sorge. So ging es mir auch als ich das erste mal von dieser Stadt gehört habe. Was Milton Keynes genau ist, warum ich dort hin bin und noch viel mehr gibt es nun hier in meinem Bericht.

Wer oder was ist Milton Keynes und warum?

Milton Keynes ist eine Stadt im Süden Englands. Eine gute Dreiviertel Stunde nördlich von London und eine gute Stunde südlich von Birmingham. Und zwischen Oxford und Cambridge. Knapp 230000 Menschen leben hier. Und ich gehörte mal dazu. Ja genau, für 6 Monate nannte ich Milton Keynes mein zuhause. Aber auch ich hatte vorher noch nie etwas von Milton Keynes gehört. Aber warum eigentlich nicht. Es gibt allerhand in Milton Keynes

  • Milton Keynes hat Betonkühe
  • Milton Keynes hat über 1200 Kreisverkehre und es werden immer mehr. 
  • Milton Keynes hat Europas größte Skihalle. 
  • Milton Keynes hat das längste Einkaufszentrum.  

Okay, das klingt ja alles ganz toll. Aber kann Milton Keynes auch was sinnvolles? Diese Frage stellt sich wohl jeder nicht aus Milton Keynes kommt. Aber warum ist das so? 

Milton Keynes ist eine recht junge Stadt. sie ist gerade mal 52 Jahre alt. Man hat damals die Städte Stoney Stratford, Wolverton, Newport Pagnell und Bletchley miteinander verbunden indem man eine Stadt in die Mitte dieser bestehenden Städte baute. Diese Stadt sollte natürlich das non plus Ultra werden. Weil man damals schon damit rechnete dass es eine Menge autos geben wird und schon damals die Stadte im Verkehr untergingen wollte man so wenig Ampeln wie möglich haben. Also baute man Kreisverkehre. Und alle Haupt- und Verbindungsstraßen zweispurig so das der Verkehr eigentlich immer fließen kann. Und ganz ehrlich, das klappte auch ganz gut. Staus sind bzw waren damals wirklich selten in Milton Keynes. 

Aber warum habe ich trotzdem noch nichts von Milton Keynes gehört?

Das ist recht einfach zu beantworten. Weil in Milton Keynes quasi noch nichts passiert ist. Der ein oder andere hat vielleicht schon mal davon gehört weil das Formel 1 Team Sauber hier seinen Sitz hat. In Bletchley um genau zu sein. Bletchley ist außerdem für seine Geheimdienst Einrichtung Bletchley Park bekannt, hier wurden im zweiten Weltkrieg die Enigmas entschlüsselt. Die ganze Einrichtung ist mittlerweile ein Museum. Aber sonst war einfach nichts wichtig genug als dass es in unseren Nachrichten erwähnt wurde. 

Aber warum bist du ausgerechnet dahin gezogen?

Tja, ich war jung. Es war 2006, ich war 24 und wollte in die Welt hinaus. Mich hatte es damals zwar weniger nach England gezogen aber wie es der Zufall so wollte kam Konzernintern eine Email von einem Haus in Milton Keynes die auf der Suche nach Mitarbeitern waren. Nachdem ich Milton Keynes gegoogelt habe dachte ich mir, ja, warum nicht und habe mich beworben und die Stelle auch bekommen. 

Im Oktober 2006 ging es dann los. 

Und dann wird einem auch Bewusst warum selbst in England Milton Keynes eher belächelt wird und eigentlich nur wegen seiner Einkaufsmöglichkeiten und Kreisverkehre bekannt ist. Weil es einfach nicht mehr ist. Die Stadt hat in der Mitte das City Centre. Dort ist alles, die Kinos, die Skihalle, die meisten Bars und Pubs, die Clubs, die Restaurants, das riesige Einkaufszentrum, einfach alles. Die Ausnahme sind die Superstores der großen Supermarktketten. Nur Sainsbury’s ist im City Centre vertreten, und Aldi und Lidl. Tesco und Asda haben sich in die Stadtteile verteilt. Immerhin. Dennoch ist eigentlich fast alles was man in Milton Keynes so machen kann am gleichen Ort. Und außer Essen, trinken und shoppen kann man ohnehin nicht machen. 

Tja, so kam ich nach Milton Keynes. Wie das restliche England ist aber MK recht teuer. So sind wir bereits nach 6 Monaten zurück nach Deutschland. 

Aber ich war auch seitdem nicht mehr da. Und genau deswegen habe ich während meines London Aufenthalts nun nach 12 Jahren wieder Milton Keynes besucht. 

Ein Tagestrip von London nach Milton Keynes. Früher war es umgekehrt.

Schon ein komisches Gefühl. Früher waren wir immer voll freudiger Erwartung wenn es nach London ging. Diesmal war es genau umgekehrt. Und irgendwie ein wenig gemischt Gefühle. Was wird mich erwarten. Hat sich MK verändert. Wenn ja wie sehr. Werde ich noch alles wieder erkennen?  Nach einem full english Breakfast im Hotel ging es dann erst mal vor die Tür und mit dem 168er Bus zur Euston Station. 

Wer schon mal in England war, der weiß das an Flughäfen die Passagiere erst mal in der Terminal Mitte gehalten werden bevor das Gate bekannt gegeben wird. Genauso funktionieren die Bahnhöfe auch. Man steht in der Halle und starrt die riesige Anzeigetafel an, hypnotisiert nahezu den eigenen Zug. Bis dann die Gleisnummer erscheint. Dann setzt man sich mit einem Pulk Menschen in Bewegung. 

Zur Euston Station muss ich sagen, die hat sich nicht groß verändert und ist immer noch so umcharmant und auch ein bisschen Häßlich wie damals. Typischer Bau im Bauhausstil. 

Die Bahngesellschaft von damals gibt es nicht mehr. Der Zug nach MK, falls sich jemand wundert, so kürzt sie Stadt offiziell ab und ähnlich wie man in Kuala Lumpur die Stadt nur KL nennt, nennt man Milton Keynes eben nur MK. Jedenfalls ist es nun London Northwestern die die Strecke nun hauptsächlich bedienen. Virgin Trains ist damals schon auf der Strecke gefahren.  

45 Minuten Zugfahrt ohne großartige oder nennenswerte Ereignisse späte war ich nun da. In meiner Ehemaligen Wahlheimat. 

12 Jahre später. Was ist anders, was ist gleich?

Raus aus dem Zug, die Treppe vom Bahnsteig hoch und raus aus dem Bahnhof. Auf den Bahnhofsvorplatz. Der sah noch genauso aus wie damals. Nichts hat sich auch nur im geringsten verändert. Als wäre man nur kurz übers Wochenende weg gewesen. 

Vom Bahnhof bin ich dann erst mal die Straße hoch. Die führt ins Einkaufszentrum. Da wollte ich zuerst hin. Auch auf dem Weg dorthin musste ich feststellen dass vieles noch ganz genauso war. Auch erinnerte ich mich an Dinge die längst in Vergessenheit geraten sind. 

Das Shopping Centre selbst hat sich auch kaum verändert. In meinem Haus und Hof Einkaufszentrum wechseln die Geschäfte gefühlt wöchentlich. Im Centre MK war noch fast alles beim alten. Klar 12 Jahre sind nicht so viel. Aber eben auch genug um anders zu sein. Aber so war es auch hier, als wäre man eben nur ein paar Wochen nicht mehr da gewesen und so war das doch ganz schön dass irgendwie noch alles so war wie man es kannte und ich mich auch sofort wieder orientieren konnte. Und so drehte ich meine Runden im Einkaufszentrum und lies auch das ein oder ander Pfund in verschiedenen Geschäften. 

Direkt neben dem Shopping Centre ist das Xscape. Neben weiteren Geschäften gibt es hier noch weitere Restaurants, Pubs, Fast Food Dependancen und Europas Größte Skihalle. 

Im Xscape ist auch ein Internetcafe dass wir immer wieder mal aufgesucht haben. Und siehe da, das gibt es sogar noch. Wer hätte es gedacht. Heute ist es zwar in erster Linie Café, aber es werden auch immer noch Mulimediale Dienstleistungen angeboten. 

"A walk down Memory lane"

Nach dem Einkaufszentrum und Xscape entschloß ich mich für was Bodenständigeres. Und nun kam eine ganz große Veränderung. Die Buslinien sind umnummeriert. Und auch wenn wir damals mit dem Auto in MK waren, so spielten die Busse dennoch eine große Rolle. 

Ich bin nun also mit dem Bus nach Bletchley, wo „unser“ ASDA Supercentre war bzw immer noch ist. Und genau das wollte ich besuchen. Denn früher sind wir manchmal mitten in der Nacht noch dahin, einfach so. Denn das Shopping Centre war Nachts geschlossen aber durch den Schichtdienst in der Hotellerie blieb einem sonst nicht viel. 

Englische Lebensmittel kaufe ich am liebsten bei ASDA

Und so auch diesmal, ich stockte meine Tee Vorräte auf und auch sonst gibt es immer wieder etwas das man noch mitnehmen kann. Beispielsweise ist es der supergünstige Malzessig der Supermarkt Eigenmarken der am besten zu Pommes schmeckt. Ja, ich stehe dazu. Das habe ich mir damals angewöhnt und mir schmeckt das immer noch sehr gut. 

Nach dieser kleine Excursion ging es mit dem Bus wieder ins City Centre. Mittlerweile war es Nachmittag, die Pubs wurden voller, immerhin war es Freitag. Ich hatte noch ein paar Stunden Zeit bis mein Zug zurück nach London fuhr. Daher machte ich eben das was die Locals taten. Ich gin in einen Pub. Aber nur um zu bestellen, dann ging es wieder raus, denn das Wetter war herrlich. 

So, nun machte sich aber auch das viele Laufen bemerkbar, die Füße wollten eine Pause also blieb ich sitzen. Ein Ausflug nach Two Mile Ash, dem Stadtteil in dem ich gewohnt habe lohnte sich nicht mehr. Und auch in mein altes Hotel wollte ich nun nicht mehr, dort hätte man auch nicht mehr viel machen können außer noch ein Bier zu trinken. Und ganz so verzweifelt bin ich dann doch nicht nicht. Also schlenderte ich eine weitere Runde durchs Einkaufszentrum, besorgte mir ein „Egg & Cress“ Sandwich und machte mich dann langsam auf in Richtung Bahnhof. 

Zurück nach London

Mir hat der Ausflug nach Milton Keynes gefallen, aber die Engländer haben schon recht wenn sie sagen „It’s an odd place“, denn genau das ist Milton Keynes, Merkwürdig. Und so sehr ich England liebe, und so sehr ich nicht ausschließen kann irgendwann wieder nach England zu ziehen, ich weiß eins ganz sicher. Es wird nicht Milton Keynes sein. 

Mit Virgin ging is nun nonstop in knapp 30 Minuten zurück nach London Euston. Ein kurzer Abstecher im Hotel und dann ging es noch mal nach Covent Garden. Aber nur des Abendessens wegen. Neben Müde und erschöpft kam jetzt noch Hunger dazu. Daher passierte außer essen auch nicht mehr viel. 

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